2013 | Sölden

Ötztaler Radmarathon - 228 Kilometer - 5.500 Höhenmeter

Telgte - „Das war das Heftigste, was ich je gemacht habe“, blickt Martin König zurück auf seinen ersten Ötztaler Radmarathon. 228 Kilometer über vier schwere Alpenpässe mit 5500 Höhenmetern, die es zu überwinden galt, sind für sich genommen schon eine unglaubliche Herausforderung.

 

Von Karl-Heinz Kock

„Das war das Heftigste, was ich je gemacht habe“, blickt Martin König zurück auf seinen ersten Ötztaler Radmarathon. 228 Kilometer über vier schwere Alpenpässe mit 5500 Höhenmetern, die es zu überwinden galt, sind für sich genommen schon eine unglaubliche Herausforderung. Wenn dann noch schlechtes Wetter hinzu kommt, können sie zu einer wahren Tortur werden. Und genau das hat der Triathlet aus Telgte gleich bei seiner ersten Teilnahme an diesem Radrennen erlebt.

 

Am Startort in Sölden regnete es in Strömen, als die rund 3300 Extremsportler sich auf den langen Weg machten, nur zwei Drittel von ihnen erreichten auch das Ziel. Etwa eintausend Gleichgesinnte waren aufgrund der sehr schlechten Wetterprognose erst gar nicht aufs Rad gestiegen. Unter ihnen die Telgter Thomas Brünen und Manfred Dierkes. Sie ahnten von vorausgehenden Teilnahmen, was auf sie zukommen würde. „Dass ich gestartet bin, war auf jeden Fall auch Naivität des Neulings, obwohl ich schon weiß, was es heißt einen Pass hochzufahren“, erläutert Martin König.

Beim Anstieg zum Kühtai-Pass regnete es in Strömen und das scheinbar ohne Ende. Steigungen von vier bis sechs Prozent und 1200 Höhenmeter raubten dem trainierten Körper viele Kräfte, bevor König es auf der Abfahrt bei Kälte und einer Höchstgeschwindigkeit von 77 Stundenkilometern mit der Angst zu tun bekam. „Die Straße stand unter Wasser und die Bremse packte kaum an“, so der 49-Jährige. „Ich war mit dem ganzen Fahrrad am Zittern. Da habe ich gedacht: Du hast einen Fehler gemacht. Unten war ich fix und fertig. Und so etwas mal vier konnte ich mir nicht vorstellen, aber ich bin einfach weitergefahren.“

 

Und er hatte Glück. Im Innsbrucker Tal wurde es wärmer. „Und am Brenner wurde der Regen auch weniger.“ An den Versorgungsstationen stopfte er sich innerhalb von kürzester Zeit mit Suppe und anderen Nahrungsmitteln voll. Von seiner Bruttofahrzeit, die bei insgesamt sieben Stunden und 17 Minuten lag, entfielen lediglich sieben Minuten auf Essens- und Toilettenpausen.

 

König blieb seiner Strategie treu: „Ich wollte ankommen, notfalls als Tourist.“ Den nun folgenden Jaufen-Pass merkte er sich als „Schnaufen-Pass“. Steigungen von sechs bis neun Prozent und 1100 Höhenmeter verursachten bei ihm zwei Hunger-Äste. „Ich bin massiv überholt worden und man leidet schon ein bisschen. Oben angekommen war ich platt.“

 

Aber noch wartete das Timmelsjoch auf den Telgter. Der vierte und letzte Pass lässt sich mit 22 Überquerungen des Teutoburger Waldes vergleichen. „Zum Schluss wartet der Scharfrichter. Das geht jedem so, auch dem Ersten“, wusste der Ausdauersportler um die Schwere der abschließenden Aufgabe. „Die Sonne schien, ich habe die letzten Körner rausgehauen und dabei fleißig Fahrer überholt“, so König. „Aber in den Serpentinen fehlte mir die passende Übersetzung. In den letzten 45 Minuten tat jeder Schritt weh. Alle waren am Stöhnen. Keiner kommt da mit heroischem Gesicht rüber.“

Um auf der letzten Gegensteigung keine Probleme mit Krämpfen zu bekommen, trat er auf Ratschlag erfahrener Zweiradkönner sogar in der Abfahrt immer leicht mit. Eine kluge Entscheidung, wie sich erweisen sollte. „Dann ging‘s noch 20 Kilometer runter bis in Ziel, wo ich sogar noch einen kleinen Sprint gewonnen habe.“

 

Im Endklassement landete der Emsstädter auf Rang 305 von 2200 Teilnehmern. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 25,5 Stundenkilometer. Aber das war alles zweitrangig. Das Ankommen war wichtig. „Es ist eine Art Leidenschaft, die für Dritte schwer nachvollziehbar ist. Ich wollte es einmal machen, weil ich die Alpen faszinierend finde“, freute sich König, das Wagnis des Ötztaler Radmarathons eingegangen zu sein und es erfolgreich bestanden zu haben.


(Quellen und Bildnachweis für nachstehende Inhalte dieser Webseite: Westfälische Nachrichten - Lokalredaktion Telgte. Die Zustimmung zur Veröffentlichung auf meiner Webseite liegt mir - Martin König - vor)